Klier

Hintergrund: Die Auseinandersetzung bei der Friseurkette Klier

3:0 für den Betriebsrat

Hintergrund: Die Auseinandersetzung bei der Friseurkette Klier

Seit Anfang des Jahres versucht das Unternehmen Klier allen 6 Kolleginnen des Betriebsrates Hamburg/Schleswig Holstein zu kündigen.

Sollte der Arbeitgeber mit seinen Ziel Erfolg haben, würde dies bedeuten, dass es keinen Betriebsrat für die Beschäftigten mehr geben würde. Zumindest vorübergehend. Auch die Struktur des Gesamtbetriebsrates der vor kurzem gegründet wurde wäre damit in Gefahr. Für die Wahrung und Durchsetzung der Rechte und Interessen der Beschäftigten wäre das eine massive Einschränkung. Für die Arbeitgeberseite würde das wohl „freie Fahrt“ bedeuten!

Der Arbeitgeber wirft den Kolleginnen vor, die Zeiten für ihre Betriebsratsarbeit falsch aufgeschrieben zu haben. Er hat systematisch Parktickets und Fahrkarten von Sitzungen des Betriebsrates auswerten lassen, um die Kolleginnen zu kontrollieren. Die anschließende Konstruktion, an Hand der Parkzeiten nachweisen zu wollen, wieviel Zeit für Betriebsratstätigkeit verwendet wurde, ist aus unsere Sicht nicht nachvollziehbar und skandalös. Es scheint vielmehr so, als sollen Fakten geschaffen werden, um einen unliebsamen Betriebsrat loszuwerden und weitere Betriebsratsgründungen zu erschweren. Vertrauensvolle Zusammenarbeit sieht anders aus.

Die Kolleginnen wehren sich zu Recht gegen die Angriffe. Der Betriebsrat hat den Kündigungen nicht zugestimmt. Jetzt möchte sich das Unternehmen die Zustimmung durch das Arbeitsgericht Hamburg ersetzen lassen [BetrVG §103 (2)]. Denn bei Kündigungen von Betriebsratsmitgliedern ist diese gesetzliche Regelung eine unabdingbare Voraussetzung. Zum Schutz der Mitbestimmungsstrukturen im Betrieb gilt hier völlig zu Recht eine höhere Hürde bei Kündigungen.

3:0 für den Betriebsrat

Auch den dritten Prozess konnten die Kolleginnen für sich entscheiden. Am 19.08.2020 entschied das Arbeitsgericht Hamburg jetzt bei einer weiteren Kollegin des Betriebsrates, dass sie nicht gekündigt werden darf. Die weiteren Termine sind am 26.08. und 27.08.2020 sowie im ein weiterer Termin September, da jede Kollegin ihren Fall individuell vor dem Gericht verhandelt muss. Wir sind optimistisch, dass auch in den anderen Terminen für die Kolleginnen entschieden wird. Die Kündigungen somit abgelehnt werden.

Damit sollte Klier eigentlich wieder zu einer anständigen Zusammenarbeit mit den Betriebsräten zurückkehren und die Angriffe auf die Gremien unterlassen. Doch zu erwarten ist das momentan leider noch nicht.

Wie nicht nur die aktuelle Situation zeigt, sondern auch ein Blick zurück.

Schon während der Gründung des ersten Betriebsrates Hamburg/Schleswig Holstein, vor gut 7 Jahren, hatten es die Kolleginnen nicht einfach. Die Wahl wurde durch Klier angefochten und Salonleitungen zu leitenden Angestellten umdefiniert, so dass jeder Salon plötzlich ein eigener Betrieb sein sollte. Es liegt nahe, dass eine Wahl somit fast unmöglich gewesen wäre. Die Kolleginnen gaben nicht auf und setzten sich immer wieder vor dem Arbeitsgericht durch. Damit entstand einer der ersten Betriebsräte im Friseurhandwerk.

Ende 2019 wählten dann Berliner Beschäftigte ebenfalls einen Betriebsrat. In der Region Hannover haben die Wahlen Ende März stattgefunden. Die Hamburger unterstützten ihre Kolleg*innen in Hannover und Berlin bei der Durchsetzung ihrer demokratischen Rechte. Gründeten im Februar mit dem neugewählten Berliner Betriebsrat einen Gesamtbetriebsrat (GBR), für das gesamte Unternehmen. Das war wohl zu viel für Klier. Kurz nach der Gründung des GBRs folgten die Kündigungen. Die Betriebsräte in Berlin und Hannover stehen ebenfalls unter Beschuss. Seit Anfang des Jahres gibt es über 20 Gerichtsverfahren nur wegen den Betriebsräten und Betriebsratsgründungen in Berlin und Hannover. Die Wahlen wurde so z.B. vor Gericht angefochten und wieder sollten die Salonleitungen zu leitenden Angestellten gemacht werden.

Die Kolleg*innen in Hamburg, Berlin und Hannover werden sich weiterhin zur Wehr setzten. Gemeinsam mit ver.di, werden sie nicht müde für Mitbestimmung und ihre demokratischen Rechte zu kämpfen.

Dafür brauchen sie jetzt eure Unterstützung und Solidarität. Daher unterstützt unsere Unterschriftenkampagne, schafft Öffentlichkeit und kommt gern zu den Gerichtsterminen.

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Daten

In der Klier Hair Group arbeiten nach Unternehmensangaben mehr als 9.000 Beschäftigte in über 1.400 Salons. Zu den Marken gehören u.a. Frisör Klier, essanelle ihr Friseur, Styleboxx, SUPER Cut etc.

Bisher gibt es 3 Betriebsratsgremien (Hannover, Berlin, Hamburg/Schleswig Holstein), die die Interessen von ca. 600 Beschäftigten vertreten.

Der Unternehmenssitz ist in Wolfsburg. Das Unternehmen befindet sich im Besitz der Familie Klier und wird zum großen Teil auch von dieser geführt. Geschäftsführer sind Jens Waldau (Vorsitzender), Michael Klier, und Robert Klier. Die Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Bettina Klier.

Die Familie Klier trägt also entscheiden zu den Bedingungen im Unternehmen bei und auch das Verhältnis zu den Betriebsräten ist unternehmensseitig von Ihnen bestimmt. Daher müssen sie Verantwortung übernehmen und zu einem normalen Umgang mit den Interessenvertreter*innen der Beschäftigten finden. Das Heißt vor allem die betriebliche Mitbestimmung im Unternehmen vollumfänglich zu akzeptieren.

  • Wir sagen Schluss mit den Angriffen auf die Betriebsräte!
  • Und fordern die Geschäftsführung des Unternehmens auf zur:
  • Sofortigen Rücknahme der Kündigungen der 6 betroffenen Betriebsratskolleginnen.
  • Die Betriebsratsgründungen im Unternehmen dürfen nicht weiter erschwert und behindert werden!
  • Das Recht auf betriebliche Mitbestimmung muss uneingeschränkt auch im gesamten Unternehmen Klier gelten.